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BACK TO ZERO

 

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Vergänglichkeit und Grenzverlauf des Körpers zwischen Schrift und Tanz.

 

BOUZUQΣΣ –

Eine Homage an die Graffitiszene

Von Lukas Fuchsgruber

Kadir ‚amigo‘ Memis wurde in der Türkei geboren und zog mit zehn Jahren nach Berlin. Hier wurde er Teil der Hip Hop Szene, ihrer Musik, ihrem Tanz und ihrer visuellen Kunst: Graffiti. Er nahm den Künstlernamen ‚amigo‘ an. Aus der Erfahrung der urbanen Kunst und frühen Erlebnissen der traditionellen Volkskunst entwickelte er seine eigene hybride Kunst, den ZEYBREAK: Zeybek und Breakdance. Im Tanz und auch in der Musik vereint er hier urbane und ländliche, gegenwärtige und historische Kultur, Motive des nahen Ostens und der westlichen Metropolen. Der nächste Schritt ist BOUZUQΣΣ, Graffiti wird mit in die Gleichung aufgenommen.Etwas ist aus Graffiti zu lernen: eine künstlerische Form, die sich Buchstaben aneignet, aber nicht um Worte oder Sprache zu verbreiten. Stattdessen geht es um Namen, die stilistischen Mittel dienen dazu diesen Namen aufzuladen, hervorzuheben oder auch zu überfrachten. Graffiti fängt beim Namen an und endet in wilden, verschlüsselten Buchstabenzeichen. Von der Abstraktion des Buchstabens zur Abstraktion eines lettristischen Organismus. Der Graffiti-Pionier RAMMELLZΣΣ schrieb, das Tag im Graffiti sei „not a signature but a sign-overture“. Es geht vom Ausgangspunkt der Signatur, zurück zum leeren Zeichen, „Back to Zero“. Die Berliner Antwort auf RAMMELLZΣΣ ist BOUZUQΣΣ. BOUZUQΣΣ verarbeitet die Geschichte von Berliner jazzigem Graffiti, BOUZUQΣΣ sind die Erlebnisse von urbanen Nomaden, und BOUZUQΣΣ ist die Summierung dieser Einflüsse.BOUZUQΣΣ bedeutet ein gewisses Erbe der urbanen Kultur, von Hiphop, anzunehmen und sich in ihr explosives Potential einzuschreiben. Und es zu mischen mit der eigenen Biographie, mit dem eigenen Erbe. Türkisch „bozuk“, griechisch „bouzouki“, das bedeutet gebrochene Kunst, gebrochene Körper, gebrochene Klänge, „kaputter Kopf“ als Bezeichnung der Zeybek, anatolischer Partisanen. Das Prinzip der Gebrochenheit von bouzouki/bozuk trifft auf den Ikonoklasmus des Wildstyle-Graffiti, das Erbe des Graffiti-Pioniers RAMMELLZΣΣ.Bouzouki + Bozuk + RAMMELLZΣΣ = BOUZUQΣΣ. 2005 kam RAMMELLZΣΣ nach Berlin, 2010 ist er verstorben. Seine Ideen der wilden, zu künstlerischen Kampfmaschinen ausstaffierten Buchstaben, seine Verbindung von Graffiti und überbordenden Kostümen, all das lebt fort und inspiriert eine neue Generation von Künstlern. Der Tanz, das Kostüm, die Malerei, der Klang im BOUZUQΣΣ basiert auf dem von RAMMELLZΣΣ entwickelten Prinzip die Collage und die Summe von diversem Material bis zum Ikonoklasmus der Überladung zu treiben. Und diese Energie zu nutzen. Für die einen kann BOUZUQΣΣ eine Hommage die Graffitiszene bedeuten, für andere wird die Geschichte der Urban Nomads eigene Migrationshintergründe oder Erfahrungen der Interkulturalität in Erinnerung rufen. Denn hinter all den künstlerischen Verschlüsselungen und Entschlüsselungen steht eine ganz einfache Erfahrung, die Erfahrung der Suche und das Erlebnis der Summe, wenn sich etwas zusammenfügt. Amigos Konzepte des ZEYBREAK und BOUZUQΣΣ sind Summen von Hiphop und anatolischer Partisanenkultur. Historische ländliche und die gegenwärtige urbane Kultur treffen sich in den überzeitlichen Geschichten des Individuums als Geschichte einer ganzen Welt, Geburt, Konflikt, Befreiung.

Idee / Choreografie : Kadir “Amigo” Memiş
Künstlerische Beratung : Denis “Kooné“ Kuhnert
Tänzer*innen : Emmanouela Dolianiti, Diego De La Rosa, Juan Tirado
Dramaturgie : Rain Kencana
Musik : Milian Vogel, Nevzat Akpinar
Bühne : Markus Butkereit
Licht : Sebastían Zamponi
Kostüm : Jale Kustaloglu
Texte :  Lukas Fuchsgruber
Produktion : Manon Lemoine

 

Thanks for input and support to: Claudia Iglesias Ungo, Jakob Yaw, Iven Krüger, Rico Schumann, Adrian Nabi, Akim Akim, Daniel Weissbach, Thomas Bratzke, Graz Diez, Lukas Fuchsbgruber, Edward Birzin, Pablo Kencana, Rammelzee.

Premiere am 7.Juni  – Hebbel am Ufer Berlin 1 ( HAU 1 )

 

Produktion: Kadir “Amigo” Memiş.                                                                                                     

Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer (Berlin).                                                                                           

Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds.

Mit freundlicher Unterstützung der Theaterhaus Mitte Berlin.

 

 

Bilder: Graz Diez

 

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